LF-A

Das neue Löschfahrzeug (LF-A) der FF Ohlsdorf – Ein Allrounder für Brand- und technische Einsätze

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Eine Innovation war 1987 der Ankauf eines Löschfahrzeuges für die Feuerwehr Ohlsdorf. War es einer der ersten LFB-A2 Prototypen der Firma Rosenbauer welche damals ausgeliefert wurden. Eine Tragkraftspritze, 600 Meter B-Schläuche in vier Containern, ein hydraulischer Rettungssatz, zahlreiche Wasserführende Armaturen und vieles mehr waren bereits damals mit an Bord.

28 Jahre später – Ende April 2015 konnte die Feuerwehr Ohlsdorf nach knapp einjähriger Planungs- und Aufbauphase ein neues, zeitlich angepasstes Löschfahrzeug in Dienst stellen. Einziger Unterschied zum alten Modell ist, das kein hydraulischer Rettungssatz und keine Seilwinde mehr im Fahrzeug auf- bzw. eingebaut wurden. Diese Geräte waren eigentlich doppelt vorhanden, da die Feuerwehr Ohlsdorf seit 1995 auch im Besitz eines Rüst- Löschfahrzeuges ist. Daher wurde gemeinsam mit dem Oö. Landesfeuerwehrverband und der Feuerwehr Ohlsdorf vereinbart diese Gerätschaften nicht mehr in das neue Fahrzeug zu integrieren.

Die Gemeinde Ohlsdorf welche mit bereits über 5000 Einwohner, zahlreichen Gewerblichen Unternehmen, vielen Landwirtschaftliche Objekte usw. ständig wächst, hat zwei Freiwillige Feuerwehren. Im Ortszentrum und sehr dicht bebauten Gebiet steht ein großflächiges Hydrantennetz zur Verfügung. Anders sieht es im ländlichen Bereich der Gemeinde aus. Um bei einem Brandeinsatz dennoch rasch Wasser am Ort des Geschehens zu haben, bewährte sich das System der damaligen Schlauchcontainer bzw. die große Anzahl an zu Verfügung stehenden Schläuchen.

Alt gegen Neu
Der alte LFB-A2 ist auf einem Steyr 13S18 Fahrgestell mit 180PS aufgebaut. Neben der Tragkraftspritze, den Schlauchcontainern, Notstromaggregat, hydraulischen Rettungssatz usw. führte das Fahrzeug auch drei Atemschutzgeräte mit sich. Da die Anforderungen immer mehr werden und durch den Prototyp Aufbau (keine abgesenkten Geräteräume) kein Platz mehr im Fahrzeug war, wurde unser RLF-A 2000 bis auf den letzten Platz befüllt.

So konnte die fünf Köpfige Projektgruppe welche aus OBI Peter Schernberger, E-HBI Hermann Leutgeb, AW Bernhard Huemer, BI Mario Kreuzer & BI Michael Moran bestand, ein komplett neues Fahrzeug mit viel Platz und für unsere Einsatzaufgaben gerüstet verwirklichen.

Bereits 2008 gab es die ersten Überlegungen für den Austausch des Fahrzeuges. Zahlreiche Typen wurden seither in Augenschein genommen. Da 2013 und 2014 das Gerätehaus umgebaut werden musste, wurde das Projekt LF-A um zwei Jahre nach hinten verschoben.

Nach der offiziellen Ausschreibung durch die Gemeinde Ohlsdorf war die Firma Rosenbauer aus Leonding als Bestbieter hervorgegangen. Aufgebaut auf einen MAN TGS mit 13 Tonnen Fahrgestell und 250PS wurde das Fahrzeug mit einem AT3 Aufbau versehen. Das 12 Gang- Automatik Getriebe sorgt für ein schaltfreies Fahren im Einsatz. Durch die neue Überarbeitung des Fahrzeugtypen LF-A hat das Fahrzeug eine teilbare Ladeboardwand mit max. 1000kg Tragfähigkeit. Das Highlight des neuen Fahrzeugtypes ist, das die Tragkraftspritze auf einem Raupenfahrwerk aufgebaut ist. Zu fahren ist das ganze wie eine Schneefräse mit Ketten. Mit dabei auf dem Fahrwerk sind alle wichtigen Gerätschaften zum Aufbau der Saugleitung. Somit kann im schlimmsten Fall die Tragkraftspritze und die Saugleitung mit nur mehr zwei Mann aufgebaut werden – damals, am alten Fahrzeug waren hier bereits mind. vier Mann beschäftigt.

Dahinter im Fahrzeugtunnel befinden sich ca. 600 Meter B-Schläuche welche auch einer Haspel aufgewickelt sind. Diese können entweder mit beladener oder ungeladener Tragkraftspritze entnommen werden. Das ganze kann genauso auch wieder aufgespult werden.

Das Fahrzeug im Detail:

Fahrer und Mannschaftskabine: Die Fahrerkabine, aufgebaut auf einen MAN TGS wurde nur leicht adaptiert. Neben der Standardeinrichtung der Firma MAN wurde seitens der Firma Rosenbauer das Multifunktionsdisplay, Funkgeräte, div. Halterungen, ein Schlüsselkasten und Helmhalterungen eingebaut. Anders sieht es bereits im dazu gebauten Mannschaftsraum aus. Hier finden max. sieben Kameraden Platz um im Falle eines Einsatzes auszurücken. Die drei Sitzplätze welche gegen die Fahrtrichtung montiert sind, stehen für drei Atemschutzträger zur Verfügung. Hier wurden genauso wie im RLF-A2000 bereits 300bar Geräte installiert. Des Weiteren befinden sich drei Lampen, Rettungsleinen, Handfunkgeräte, Einweghandschuhe, Anhaltestäbe und Warnwesten im Mannschaftsraum. Unter der Sitzbank sind für die Atemschutzträger Reserveflaschen und Atemschutzmasken verbaut.

Geräteraum 1 (Erster Raum auf der linken Fahrzeugseite): Im Geräteraum 1 befinden sich zahlreiche Schanzwerkzeuge, Schaufeln und Besen. Am Platz wo sich normal das hydraulische Rettungsgerät befindet, wurde ein neuer Greifzug eingebaut. Eine Motorsäge sowie weiteres Zubehör, Unterlegehölzer, ein großer und kleiner Winkelschleifer fanden ebenfalls Platz im Raum.

Geräteraum 2: (Erster Raum auf der rechten Fahrzeugseite): Sechs Verkehrsleitkegel sowie das Standrohr für Unterflurhydranten wurden am Drehfach außen montiert. An der Innenseite wurde alles für die mobile Beleuchtung untergebracht. Zwei Kabeltrommeln sowie zwei 1000 Watt Scheinwerfer können so weit vom Fahrzeug weg auf einem Stativ aufgebaut werden. Der nötige Strom dazu wird von einem neuen Notstromaggregat mit 14KvA geliefert. Ein Sondergerät welches immer mehr Bedeutung gewinnt wurde ebenfalls angeschafft und eingebaut, ein so genannter Benzintrennschleifer. Mit diesem kann man wie mit einem Winkelschleifer Stahl, Eisen und viele weitere Materialien durchschneiden.

Geräteraum 3 (Zweiter Raum auf der linken Fahrzeugseite): Dieser Raum wurde wie die Normausrüstung vorschreibt mit 5-B und 5-C-Schläuchen bestückt. Ebenso befinden sich in sechs Schütten Ausrüstungsgegenstände zur persönlichen Sicherung und Rettung von Personen, Tieren oder Sachgütern. Neben Auffanggurten wurde hier auch ein Notrettungsset, Brandeinsatzhandschuhe, diverse Seile, Schlingen und Schäkel und eine Löschdecke untergebracht.

Geräteraum 4: (Zweiter Raum auf der rechten Fahrzeugseite): Wie im dritten Geräteraum befinden sich auch hier laut Normausrüstung 5-B und 5-C-Schläuchen. Watthosen, Chemieschutzanzüge sowie Schutzstufe 2 Anzüge sind hier verpackt worden. Speziell für die Einsätze von Wespen, Hornissen und sonstigen Insekten wurde eine Schütte mit Einsatzmateriealien verstaut. Da das Fahrzeug mit einer Schiebe- und Steckleitern ausgerüstet ist, ist dieses für Einsätzen von Insekten bestens geeignet.

Geräteraum 5 (Dritter Raum auf der linken Fahrzeugseite): Was wäre ein Löschfahrzeug ohne Wasserführende Armarturen? Genau, kein Löschfahrzeug, deshalb wurde dieser Geräteraum fast nur mit diesen Geräten bestückt. 2 Verteiler, 3 Hohlstrahlrohre, Stützkrümmer, Hydroschild, Übergangsstücke, div. Kupplungsschlüssel, Schlauchhalter, Druckbegrenzungsventil, fünf B- Schläuche und vieles mehr befinden sich im Raum. Da noch Platz zur Verfügung war, wurden hier ebenso zwei Tauchpumpen Nautilus untergebracht. Hier stehen beide Varianten, einmal die Nautilus 4/1 mit 710 Liter und eine Nautilus 8/1 mit 1330 Liter maximal Leistung pro Minute zur Verfügung. Zwei kleinere Tauchpumpen runden das Equipment ab.

Geräteraum 6: (Dritter Raum auf der rechten Fahrzeugseite): Hier wurde wieder alles auf die Brandbekämpfung ausgerichtet. Drei Feuerlöscher (Pulver, Schaum und CO², eine komplette Schaumausrüstung sowie ein IFEX – Impulslöschgerät mit 50 Liter Wasser wurden in den Geräteraum integriert. Platz für Benzin- und Diesel Reservekanister wurden ebenso geboten und untergebracht. Die Steuereinheit der Ladebordwand ist hier untergebracht sowie die Steuerung des Flutlichtmasten, der Umfeld- Beleuchtung und der Schlauchhaspel.

Geräteraum 7: (Laderaum / Fahrzeugtunnel): Der Fahrzeugtunnel wird als Laderaum für die Schlauchhaspel und für den Raupenmanipulator, welcher die Tragkraftspritze aufgebaut hat genutzt. Da die Haspel und der Raupenmanipulator über die Ladebordwand entfernt werden können, bietet das Fahrzeug danach Platz für drei Paletten oder Gitterboxen. Somit ist das Fahrzeug ein Allrounder, auch in Bezug auf Katastropheneinsätzen oder dergleichen. Auf der Schlauchhaspel befinden sich 600 Meter B-Druckschläuche und können jederzeit, bei voller Beladung ab- und aufgespult werden. Die Ladebordwand trägt max. 1000kg und ist teilbar, was beim Auszug der Schlauchleitung sinnvoll ist, da hier der Wenderadius des Fahrzeuges verringert wird. Der Raupenmanipulator ist zu fahren wie eine Schneefräse. Aufbaut wurde als Tragkraftspritze eine neu FOX III. Die FOX gehört mit einer Leistung von 1.600 l/min bei 10 bar und 1.000 l/min bei 15 bar zu den stärksten Tragkraftspritzen ihrer Klasse. Zusätzlich wurden am Manipulator alle Geräte aufgebaut, welche zur Herstellung einer Saugleitung benötigt werden. Im Einsatzfall kann so der Manipulator rasch abgesetzt werden und das Fahrzeug kann so bereits andere Aufgaben, wie z.B. das Verlegen der Schlauchleitung übernehmen. Beim alten Fahrzeug war dies nicht möglich, da zuerst alle Geräte aus dem Fahrzeug entnommen werden mussten. Hier liegt der Vorteil vor allem bei Einsätzen unter der Woche, wo jede Feuerwehr Personalmangel hat. Mit nur vier Mann kann theoretisch die Wasserversorgung für Tankwägen sichergestellt werden.

Dachbeladung: Wie bei jedem Feuerwehrfahrzeug bietet das Dach ebenfalls Platz für Einsatzgerätschaften. Der Einreißhacken, Feuerpatschen und zwei Paar Schlauchbrücken wurden darauf montiert. Der Flutlichtmasten mit sechs LED- Powerscheinwerfer befindet sich ebenfalls oberhalb des Daches. Gesteuert wird dieser über das Panel im Geräteraum 6. Hochhinaus geht es mit der zweiteiligen Schiebeleiter, welche vom alten Fahrzeug übernommen wurde. Aber auch neue Geräte in der Feuerwehr Ohlsdorf fanden am Dach Platz. Eine vier teilige Steckleiter samt Brückenteil, eine Abschleppstange und eine Schleifkorbtrage wurden hier untergebracht. All diese Einsatzgeräte wurden in den ersten Wochen bereits bei Einsätzen benötigt. Um jeden Zentimeter Platz zu nutzen wurde innen am Deckel der Schleifkorbtrage eine Fassschaufel montiert. Zur Sicherheit auf der Straße wurde hinten am Dach ein Verkehrsleitsystem aufgebaut mit fixen Infomeldungen für nachkommende Verkehrsteilnehmer.

Der Stromsparer
Als äußert positiv anzumerken ist die Tatsache das das Fahrzeug inkl. kompletter Beleuchtung (Umfeld- Beleuchtung und Flutlichtmasten) ohne Notstromaggregat betrieben werden kann. Dies ist nur möglich, da das ganze Fahrzeug seitens der Beleuchtung mit LED Scheinwerfer ausgerüstet wurde. Ebenso kann das Fahrzeug jederzeit von einer „normalen“ Steckdose aus geladen werden. Aber auch mit Hilfe des Notstromaggregates kann sich das Fahrzeug selbst versorgen.

Der Allrounder im Einsatz
Bereits nach der Ankunft in Ohlsdorf wurde die Mannschaft bei mehreren Schulungen am Fahrzeug ausgebildet. Darunter waren zahlreiche Einsatz- und Fahrerschulungen. Bei den ersten Einsätzen mit dem neuen Löschfahrzeug wurden gleich die Wichtigkeit des Fahrzeuges und deren Gerätschaften unter Beweis gestellt. Bei einem LKW Brand wurde die neu angeschaffte Abschleppstange, bei einer Personenrettung die neue Schleifkorbtrage inkl. div. Abseilvorrichtungen und bei den zahlreichen Wespeneinsätzen die Wespenausrüstung und die neue Steckleiter benötigt. Präsentiert wurde das neue Löschfahrzeug bereits beim Tag der offenen Tür zu Pfingsten 2015. Die Segnung wurde beim 120 Jahr Festakt am 14. August 2015 durchgeführt.

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