Einsatzzentrale

Feuerwehr Ohlsdorf mit neuer Einsatzzentrale
am Stand der Technik

(Ein Bericht von HAW Stefan Pamminger, FF Ohlsdorf – Stand: November 2010)

Ohlsdorf / OÖ: Die in den meisten Feuerwehrhäusern integrierte Einsatzzentrale, besser auch als Florianstation bekannte Einrichtung, spielt eine wichtige Rolle beim richtigen Ablauf der verschiedenen Einsätzen der Feuerwehren. So sollte eine integrierte Florianstation im Einsatzfall von mindestens einer gut ausgebildeten Person besetzt und verwaltet werden. Bei größeren Schadenslagen kann nach Bedarf das Personal erhöht werden, um alle Aufgaben bestmöglich als auch schnell erledigen zu können. Zu diesen Aufgaben gehört die Unterstützung der Einsatzleitung vor Ort, die Nachalarmierung diverser Einsatzkräfte bzw. der Behörden und die Übermittlung wichtiger Details welche den jeweiligen Einsatz entsprechen. Bei Großschadensereignissen übernimmt die Florianstation die Koordination der verschiedenen Einsatzobjekte und Stuft diese nach der Wichtigkeit ein, da viele Notrufe direkt im Feuerwehrhaus ankommen.1

Die Einsatzzentrale im Jahr 1991 – 1992

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Im Wandel der Zeit: Die Ohlsdorfer Florianstation wurde beim Bau des jetzigen Feuerwehrhauses im Jahr 1989 integriert. Geplant und installiert wurde diese durch den damaligen Kommandanten E-HBI Hermann Leutgeb, welcher selbst ein Unternehmen im Gebiet Elektroinstallationen betreibt. Für die damaligen Tätigkeiten einer Florianstation reichte diese mit einen Festnetztelefon, einen Funkgerät auf Landes- und einen Funkgerät auf Bezirksebene, sowie zahlreichen Kartenmateriel und den verschiedenen Alarmplänen völlig aus. Auch damals wurde die Haustechnik bereits über die Einsatzzentrale verwaltet. Die sogenannte SPS (Speicherprogrammierbare Steuerung) wurde bereits eingebaut und war so programmiert, das bei einem Einsatzalarm die Tore sich öffneten und das Licht im Gerätehaus anging. Nach und nach wurde diese Technik erweitert, bis diese ausgeschöpft bzw. übergelastet war.

Neue digitale Alarmierung: Seit der Umstellung auf die digitale Alarmierung im Jahr 2004, hat sich im Sektor Einsatzalarmierung bzw. Einsatzdisposition einiges geändert bzw. wurde diese weiterentwickelt. Die neue digitale Alarmierung ist benutzerfreundlicher und schneller als die alte, Jahrzehnte eingesetzte Analogsteuerung. Anfangs noch mit Kinderkrankheiten versehen, ist die neue Alarmierungsart der OÖ. Feuerwehren flächendeckend in allen Feuerwehren integriert. Die Disponenten in der Landeswarnzentrale in Linz können dadurch gleich mehrere Informationen bei der Alarmierung mitgeben. Auch die Zeiten des Kartenlesens sind vorbei. Wenn der Disponent eine genaue Beschreibung des Einsatzortes erhält, kann im digitalen Zeitalter mit Programmen wie Google Map oder Earth sofort der genaue Standort des Einsatzes angezeigt werden. Aber auch diese Programme dienen nur der Orientierung und sind noch nicht 100 prozentig zuverlässig.

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Die neue Einsatzzentrale: In den letzten zwei Jahren versagte in kleinen Schritten die alte SPS Anlage. Zum Schluss funktionierten weder die Torautomatik und die Beleuchtung nur mehr teilweise. Anfangs dachte man dass ein Wechsel der über 20 Jahre alten SPS Anlage die Probleme beheben könnte. Nach ein paar Gesprächen mit den Verantwortlichen und dem Elektrounternehmen Leutgeb, musste eine komplett neue Anlage ins Auge geschlossen werden. Auch die Tatsache dass bei den letzten Großschadensereignissen in der Gemeinde die Florianstation zu klein (nur ein Arbeitsplatz) wurde, musste bedacht werden. Somit entschloss man zwei getrennte Arbeitsplätze mit Funkgerät und einen PC auszustatten. Die ganze Elektronik, sprich Kabel, Taster usw. mussten ebenfalls erneuert werden, da die alte SPS Anlage mit 12 Volt betrieben wurde. Die neue SPS wird bereits mit 24 Volt betrieben und ist für mögliche Erweiterungen großzügig gestaltet.

Die Details im Überblick:
Einsatzrechner: Alle Einsätze werden über das digitale W.A.S. (Warn- und Alarmsystem) der OÖ. Landeswarnzentrale an die Feuerwehr übermittelt. Durch mehrere Schnittstellen können dadurch verschiedene Parameter ausgesondert und umgewandelt werden. Mit einer Software des Landes wird bei einer Alarmierung sofort ein Bildschirm mit allen Einsatzwichtigen Details geöffnet. Beim W.A.S. ist zwar ein Bildschirm eingebaut, aber durch die kleine Größe sind die Zeilen nicht einwandfrei abzulesen. Darum wurde in der Mitte der Einsatzzentrale die Alarmierungseinheit mit einem PC- Bildschirm erweitert. Die entsprechenden Tasten werden über eine separate Tastatur gedrückt. Weiteres werden alle Daten der Einsatzzentrale über ein Netzwerk an den Rechner gesendet. Somit ist dies das Hauptspeichermodul unserer Feuerwehr. Die Daten werden auf drei verschiedenen Festplatten wöchentlich gespeichert und gesichert, damit diese 100 prozentig nicht verloren gehen.

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Einsatzzentrale: Am Raum selbst, gab es fast keine Änderungen. Das alte Rollo wurde gegen ein flaches an den Fenstern ersetzt und lässt den Raum nun größer wirken. Die Fensterbank über den Funktisch wurde von unseren Kameraden Katherl Christoph erweitert. Ebenso wurde Platz für die PCs unterhalb des Funktisches geschaffen, da die alte Steuerungsanlage ausgebaut und die neue in einem Schaltschrank installiert wurde. Der großzügige Funktisch der Feuerwehr Ohlsdorf ermöglichte eine neue Anordnung der Geräte. So wurde auf der linken Seite des Tisches die neue Haustechnik untergebracht. Jeder Lichtschalter der im Gebäude schaltet wird angezeigt. So kann auch im Keller kein brennendes Licht übersehen werden, falls dieses nicht ausgeschaltet wird. Die Heizung, Torautomatik oder das Öffnen der Eingangstür kann von der Zentrale aus erledigt werden. Nach der Haustechnik wurde der erste Arbeitsplatz für die Einsatzabwicklung installiert. Dabei stehen demjenigen ein Festnetztelefon, ein Funkgerät auf Bezirksebene, ein Funkgerät auf Landesebene und ein PC mit allen Einsatzunterlagen zur Verfügung. In der Mitte wurden die Einsatzkomponenten installiert. Das W.A.S. die SMS Alarmierung und eine zusätzliche Notfalleben der ganzen Systeme wird von dort aus bedient. Auf der rechten Seite befindet sich der zweite Arbeitsplatz für einen Mitarbeiter bei Großschadensereignissen. Dieser ist ident mit dem ersten, jedoch ohne Funkgerät auf Landesebene. Rechts außen ist die Stromversorgung der Einsatzzentrale angebracht. Das System schaltet automatisch den Funktisch bei einer Alarmierung ein und einmal täglich (in den Nachtstunden) aus. Der ganze Funktisch sowie Teile der Haustechnik befinden sich an einem Notstrompaket, welches automatisch bei einem Stromausfall für die Dauer von rund zwanzig Minuten die Stromversorgung sicherstellt. Ausgenommen sind Geräte mit 230 Volt. Diese Zeit reicht vollkommen aus, um das Gerätehaus von außen mit Hilfe eines Notstromaggregates zu versorgen. Sollte irgendein System der Alarmierung bzw. der Haustechnik ausfallen, wird ein sogenanntes Störungs-SMS ausgesendet. Der Grund der Störung ist danach auf einem Display am Funktisch ersichtlich – mögliche Störungsmeldungen sind: Stromausfall, Motorschutz Schlauchturm und Sirene, Blitzschlag usw.

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E.L.S.O. – Einsatzleitsystem Ohlsdorf: Jeden Arbeitsplatzbenutzer steht ein identer PC mit zwei Bildschirmen zur Verfügung. Vom Schriftführer Stefan Pamminger wurde eigens ein Programm unter dem Namen E.L.S.O. (Einsatzleitsystem- Ohlsdorf) entwickelt. Dahinter finden sich alle Unterlagen der Einsatzabwicklung. Neben den Alarmplänen der Gemeinde Ohlsdorf bzw. deren Nachbargemeinden stehen dem Bearbeiter Telefonlisten, Hilfsprogramme, aber auch alle Brandschutz- und Notfallplänen der Gemeinde in digitaler Form zur Verfügung. Meist ist auf einen Bildschirm das Programm Google Earth aktiv, welche genau das Gemeindegebiet bzw. die Einsatzzonen erfasst. Bei einer Alarmierung wird unmittelbar danach am Bildschirm die Einsatzadresse auf einer 2D Karte angezeigt. Die Daten kommen aus dem W.A.S. welche über das Netzwerk abgefragt werden. Auch sämtliche Wasserentnahmestellen (Hydranten, Löschwasserbehälter usw.) können per Mausklick ausgewählt und angezeigt werden. Dabei ist jede Wasserentnahmestelle der Gemeinde punktgenau eingebunden und wird mit allen Zusatzinformationen angezeigt. Für Verkehrsunfälle stehen dem Disponenten alle bis dato frei zugänglichen Fahrzeuginformationen aus dem Internet zur Verfügung. Diese Liste wird laufend aktualisiert. Die nächsten Schritte laufen bereits und so wird in nächster Zeit ein Laptop mit genau denselben Daten in das Kommandofahrzeug integriert, um von der Einsatzstelle selbstständig arbeiten zu können. An der automatischen Übermittlung an Navigationssystemen wird gearbeitet, um eine genaue Anfahrtswegbeschreibung erhalten zu können. Alle digitalen Daten wurden in einer Alarmmappe zusammengefasst, um bei einem Totalausfall des Systems dennoch weiterarbeiten zu können.

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Wird bei einen Großschadensereignis mehr Personal in der Einsatzzentrale benötigt, ist es möglich mit Hilfe des Netzwerkes über z.B. ein Notebook auf das Einsatzprogramm E.L.S.O. zuzugreifen. Mit diesem Programm können beliebig viele Personen gleichzeitig arbeiten, da eine Datenbank die Daten automatisch sortiert, verwaltet und speichert.

Ein bewährtes System: Nach rund drei monatiger Umbauzeit konnte im Mai 2010 die Zentrale im vollen Umfang den Betrieb aufnehmen. Die anfänglichen Kinderkrankheiten konnten rasch behoben werden und so funktioniert das System bis dato fehlerfrei. Das System der Visualisierten Einsatzanzeige und des Bildschirmes in der Fahrzeughalle wird bereits seit Jahren von Feuerwehren in Oberösterreich (Beispiel FF Oftering) verwendet.

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In Ohlsdorf wird die Ortsfeuerwehr zu circa 120 Einsätze im Jahr gerufen. Die Zahl der Großschadensereignissen in der Gemeinde Ohlsdorf bzw. in der Umgebung ist in den letzten Jahren stetig angestiegen. So war die Zentrale bei den Hochwasser-, den Sturm- und den Schneedruckeinsätzen mit teilweise sechzig Einsatzadressen innerhalb einer Stunde der Jahre davor sehr gefordert und konnte diese Aufgaben mit Bravur meistern. Die im Einsatzfall besetzte Einsatzzentrale hat sich bestens bewährt und zählt bei uns zum Standard im Einsatzdienst.

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Qualitative Dienstleistung: Ohne die Dienstleistungen der verschiedenen Fachfirmen, wäre der Umbau auf den jetzigen Stand der Technik nicht möglich gewesen. Das Elektrounternehmen Leutgeb aus Ohlsdorf stellte hierbei ein Vorzeigeprojekt wieder in Stand, welches bereits seit mehr als zwanzig Jahren bestens funktionierte. Feuerwehrmitglied und Firmeninhaber Leutgeb Hermann jun. installierte und programmierte mit seinen Mitarbeitern die Zentrale. Dabei wurde mehrere hunderte Stunden Zeit aufgewendet. Auch die Kameraden der Feuerwehr Ohlsdorf investierten in Eigenregie zahlreiche Stunden um den Umbau zu ermöglichen.

Text: Stefan Pamminger – FF Ohlsdorf
Fotos: © Stefan Pamminger – FF Ohlsdorf